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Jürgen Horrwarth – Von Örly zu Olympia

Eigentlich war das Trap x Café Örly Board dazu gedacht Jürgen Horrwarths Cafe nochmal ein wenig zu pushen, damit es weiterhin klappt als selbständiger Gastronom, doch am Ende hat es nicht gereicht. Nach der Hälfte der Mietlaufzeit muss Jürgen sein Café schließen, aber er schmiedet bereits neue Pläne und würde Deutschland gerne fit für Olympia machen.

Hallo Jürgen, warum hat das Café Örly dicht gemacht?

Wir hatten jetzt zweieinhalb Jahre geöffnet und haben im Endeffekt aufgegeben, weil wir uns mit dem Vermieter, was die Zukunft angeht, nicht einig wurden. Ich hatte anfangs noch eine Angestellte, hab dann den Betrieb kleiner gemacht und wir haben nur noch zu zweit gewirtschaftet. Dann haben wir auch angefangen schwarze Zahlen zu schreiben, nur am Ende haben wir festgestellt, dass wir eigentlich nur auf Null wirtschaften und trotzdem jeden Tag 14 Stunden ackern. Dann wollten wir uns mit dem Vermieter einigen, dass er uns ein bisschen entgegenkommt. Wir hatten zwei Räume die wir kaum benutzt haben und mussten nur dafür knapp 800 Euro an Miete zahlen. Wir hatten gehofft, wir könnten die abtrennen und er würde daraus evtl. eine Wohnung machen. Aber es war relativ schnell klar, dass da eigentlich gar kein Interesse da ist. Wir haben ja auch kulturell was entwickelt und es gab jedes Wochenende Musikveranstaltungen. Das lief super, aber ihm war das ziemlich egal. Er hat keinen Wert darauf gelegt, dass wir seine Gewerbeimmobilie mit Herz, Wille und Hingabe aufgewertet haben.

Gibt's den Plan das Café irgendwo anders wieder zu eröffnen?

Nö, ich hab mich erstmal davon verabschiedet, auch wenn wir am Ende gemerkt haben, dass wir die ganze Nachbarschaft aktiviert haben. Das letzte halbe Jahr lief richtig geil! Alle Leute kamen zu uns um ein Weinchen zu trinken, es gab Konzerte und allen hat’s gefallen. Nur war halt auch klar, dass wir nicht noch mehr arbeiten können. Wir waren schon völlig ausgelastet bis überlastet. Das können wir nicht nochmal stemmen. Da blieb keine Power und kein Bock mehr zum skaten. Das war auch nicht gerade traumhaft, muss ich sagen.

Du bist kaum noch zum skaten gekommen?

Ich hab immer versucht meine ein, zwei Sessions die Woche in der Rampe zu fahren. Aber ich hab mich dann doch oft dabei erwischt, dass ich viel zu fertig war dafür. Dann hab ich auch gemerkt, wie ich durch die ganze Arbeit im Café sowas von unsportlich wurde. Keine Muskeln mehr in den Beinen und alles war am abbauen. Da hätte ich zwar skaten gehen können, aber ich war einfach unfit.

Was ist jetzt der Plan? Wieder mehr skaten gehen?

Ich hab jetzt hier erstmal den ganzen Ramsch abzuwickeln, mit Mobiliar verkaufen und Nachmieter. Dann werde ich eine kleine Kreativpause einlegen und werd mir irgendeinen anderen Job suchen, so dass man halt versichert ist. Dann gibt’s aber auch schon neue Pläne, das wird wieder in Richtung Skateboarding sein. Allerdings nicht als Werbeträger der Industrie, weil das hab ich ja schon 17 Jahre als Profi gemacht. Da muss ich nicht mehr versuchen krampfhaft dran anzuknüpfen. Ich würde das Ganze einfach aus einem anderen Standpunkt machen.

Skateparks werden in den Behörden immer noch unter Spielplatz geführt. Das muss sich ändern. Wir sind ein Sport und werden olympisch. Ich hab keinen Bock mich auf diesem Niveau weiter zu bewegen

Gibt es schon konkrete Pläne oder ist das alles noch Zukunftsmelodie?

Das sind Ideen und auch Pläne, die sind aber noch wenig in Form gebracht. Ich werde versuchen Skateboarding in jeglicher Form nach vorne zu bringen, weil Deutschland, was das angeht, ein krasses Entwicklungsland ist. Das wird von sämtlichen Behörden immer noch als Funsport betrachtet, was ein riesen Problem ist, weswegen wir auch so viele beschissene Skateparks haben. Skateparks werden in den Behörden immer noch unter Spielplatz geführt. Das muss sich ändern. Wir sind ein Sport und werden olympisch. Ich hab keinen Bock mich auf diesem Niveau weiter zu bewegen. Diese Skateparks haben wir nur, weil irgendwelche Concrete Adolf Firmen Hochglanzkataloge wie so ein Spielwarenhersteller vorlegen. Das ist einfach unnütz und nicht zu gebrauchen. Dagegen will ich arbeiten, dass Skateboarding an sich als Lifestyle und als Sport weiter nach vorne kommt. So dass wir da ernst genommen werden, dass wir gute Facilities kriegen und Skateboarding in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen wird, nicht mehr so als experimentelle Freizeitaktivität. Klar, wie das jeder für sich im Endeffekt ausübt ist seine Sache, aber gerade was das Öffentlichkeitsbild und diese Sportseite angeht, muss einfach einiges getan werden. Damit die Dinge auf ordentliche Art ins Rollen kommen. Mit jemandem, der wie ich die entsprechende Berufserfahrung mit einbringt und sagen kann: "Hey, ich war selber über 15 Jahre lang Profi. Ich hab ungefähr jede Ära in dem Sport erlebt und ich weiß genau was hier fehlt und wo es besser geht."

Wenn du Olympia schon ansprichst: Du bist ja auch bei der ISF Olympiabotschafter…

Ja, bei der ISF bin ich Fahrervertreter für Deutschland.

Wird das was du planst dann in die Richtung Olympiafunktionär für Skateboarding in Deutschland gehen?

So direkt nicht. Ich würde mich politisch wahrscheinlich eher weniger engagieren, das können andere Leute besser. Ich wäre eher auf der praktischen Seite anzusiedeln, aber ich will da noch keine konkreten Begriffe in den Raum stellen. Ich weiß ja noch nicht, was sich da entwickelt und was sich ergeben wird und kann. Aber es geht auf jeden Fall in die Richtung, dass ich das nach vorne bringen will, so dass es halt eine entsprechende Form bekommt. Dass das Ganze etwas ernster genommen wird, auch im Hinblick auf das Potential das in Deutschland herrscht. Wir sind ja schließlich das dichtbesiedelste Land mit den meisten Einwohnern in Europa, für die ganzen Amifirmen sind wir da der größte Markt. Aber es mangelt an Skateboarding und seiner Förderung. Was wir für ein Wasteland haben an Events! Hier ist ja gar nichts. Was gibt es denn in Deutschland? Den C.O.S. Cup, das war es dann aber auch schon. Das ist total lächerlich, wenn man an den Mastership denkt, wo alle Pros gekommen sind.

Juergen Horrwarth – Frontside Nollie Frontside Nollie

Aber dein Engagement wäre dann schon im Rahmen der ISF?

Die werde ich jetzt erstmal als ersten Stepping Stone nutzen. Was sich daraus ergibt, weiß ich nicht. Wie gesagt, ich muss auch erst mal gucken, dass ich mich aus meiner jetzigen Situation rausmanövriere, ohne dass es mich Kopf und Kragen kostet. Dann werde ich damit anfangen und hab ja eh die ganzen Kontakte und kenne die Leute, die sich da stark machen. Freunde von mir sind auch involviert und der Renton Millar z.B. ist ja auch schon etwas tiefer in der Materie drin.

Wie sieht es denn mit Skaten aus? Bist du weiter auf Pro-Level unterwegs oder nur noch hobbymäßig?

Ich bin weiterhin auf Trap und ich werde auch weiterhin Pro Produkte haben, wenn sich die Möglichkeit ergibt und ich werde auch weiterhin auf diesem Niveau skaten. Aber man macht es halt anders, wenn man nicht mehr muss oder nicht mehr so viel erwartet wird. Ich verdiene mit Skaten nicht mehr wirklich Geld, aber ich will mein Potential und die Skills die ich noch habe, aktiv einsetzen. Nicht als gesponserter Pro im klassischen Sinne, sondern ich würde gerne meine Expertise einfließen lassen und diese ganze Unterrichtsnummer und Vorbereitung auf evenuelle Lehrpläne ausarbeiten. Die kann man dann mal erstellen, wenn sich die ganze Olympiageschichte ein bisschen konkretisiert. Da fühl ich mich einfach in der Pflicht das zu machen. Ich habe halt das Gefühl, dass ich da ein relativ umfangreiches Wissen mitbringe. Nicht nur vom Skaten an sich und der eventuellen Didaktik, sondern auch alles was da dranhängt. Rehabilitation, Physiotherapie, Ernährung und all so ein Mist. Da kannst du ja endlos ausschweifen, besonders wenn es als Sport betrachtet wird und man irgendwann mal sowas hätte wie einen Olympiakader. Da musst du ja dann auch entsprechende Grundlagen vorweisen. Da kannst du nicht nur sagen: "Mach doch mal Backside" oder "Das muss stylischer sein…". Das muss dann alles in Schrift und Form gebracht sein. Bilderfolgen und all so ein Mist. Wie bei der Sportuni, wenn du dir da die Kurse reinziehst, da musst du ja auch Bewegungsabläufe studieren. Das sind halt alles Grundlagen und das muss jetzt relativ früh geschehen und ich denke je früher desto besser.

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