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Jonas Heß Interview – Zwischen Kinderspiel und Kopfschmerz

Ungezwungen, verspielt und mit einem gesunden Mass an Spontanität. So geht Jonas Heß mit seinem Holzbrett um und zählt damit zu einer neuen Generation von innovativen deutschen Skatern, die einen frischen Wind in unsere Breitengrade blasen und sich so, zumindest auf dem Brett, ohne Scheu mit neuen Trickkombinationen austoben. Im Spagat zwischen dem großen, grellen Rampenlicht und dem unbefangenen Schatten, den dieses wirft, ist er gerade aber auch ein bisschen auf der Suche nach sich selbst und nach seiner Rolle in der (Skateboard–) Welt. Dies lässt sich aber nicht auf seine Fähigkeiten auf dem Skateboard beziehen, denn dort ist er selbstsicher und findet, dank viel Talent und Ehrgeiz, Möglichkeiten, die wir hierzulande nur aus dem World Wide Web kennen. Auch unüblich für die so genannte Generation Y geht der 20–Jährige sehr zurückhaltend mit seiner öffentlichen Präsenz um und ist erst seit kurzem auf den zahlreichen Social Media Kanälen zu finden. Eine Mischung aus jugendlichem Leichtsinn und gesunder Selbstreflexion eben. Vielleicht aber auch ein wenig schüchtern. Sein Freund und Fotograf Hendrik Herzmann und der ruhige Jungspund teilen so einiges und waren deswegen ein perfektes Team für dieses Interview.

Hi Jonas, ich hab dich vor ungefähr zwei Jahren kennen gelernt und da warst du noch ein kleiner schüchterner Junge. Was ist bei dir passiert in der Zeit?

[lacht] Ja, da warst du auch noch Fotograf und jetzt interviewst du mich auf einmal. Ich bin zu der Zeit noch ein Jahr zur Schule gegangen und habe dann in Kassel ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Schule für schwer erziehbare Kinder gemacht. Ich habe das eigentlich nur gemacht, damit ich meinen Abschluss bekomme, weil ich noch den praktischen Teil der Fachhochschulreife gebraucht habe. Ich hab mich dann ein bisschen umgeschaut und mich dafür entschieden. Ich war das ganze Jahr in einer Klasse und hab da den Kindern ge- holfen oder sie beruhigt, wenn sie Stress gemacht haben. Aber ich glaube das ganze FSJ Zeug inter- essiert eigentlich gar keinen...Es hat auf jeden Fall gut getan mal von Zuhause weg zu sein und sich um sich selbst zu kümmern.

Und was machst du dann jetzt?

Ich mache gerade nichts außer Skaten und eine Pause vom Ernst des Lebens. Ich war viel am Filmen in letzter Zeit und da kommt bald ein kleiner Welcome Clip für Converse. Aber sonst filme ich gerade für nichts Spezielles. Anfang des Jahres kam ja das Uludag2k14 Video raus und das war so mein letzter Part. Ansonsten war ich in letzter Zeit in Berlin, in Budapest und danach noch in Warschau unterwegs.

Jonas Heß – Smithgrind

Smithgrind

Das “Uludag2k14“ Video war ja ziemlich gehyped, dafür dass es nur so ein kleines Local Video war… Wie war das für euch?

Mit der Aufmerksamkeit hatten wir natürlich nicht gerechnet. Dass es so rund ging und, dass es sogar beim Ride Channel gelandet ist, hat uns alle wirklich gefreut.

Wie ist es dazu denn gekommen und warst du auch bei der Produktion beteiligt?

Stefan [Schwinghammer] hatte uns danach gefragt und dann war es eben im Internet. Das war ein Selbstläufer könnte man so sagen… Ich hab zu der Zeit mit Leon [Rudolph] zusammen gewohnt und er hat jeden Part immer mit dem Skater zusammen geschnitten. Wir haben meinen Part auch zusammen bearbeitet, so dass wir da am Ende auf einen Nenner kamen. Man hat da ja schon so Vorstellungen wie man es schlussendlich haben möchte. Ich will es mir selbst angucken können und nicht hinterher kacke finden. Leon ist da total easy und glücklicherweise immer offen für Vorschläge und Wünsche. Wir verstehen uns gut und haben meist sowieso ähnliche Vorstellungen. Ich mag es mehr mit jemanden zu filmen, mit dem ich befreundet bin oder ein persönliches Verhältnis habe und ich denke das trägt dann viel zum Endergebnis ein. Das macht das alles angenehmer. Mit 'nem fremden Filmer, wie jetzt zum Beispiel bei der Warschau Tour, ist das was anderes. Da hat Jo [Peters] gefilmt und den hab ich da zum ersten Mal gesehen. Wobei ich mich mit ihm auch auf Anhieb gut verstanden habe. Ich denke es ist gut, wenn die Chemie zwischen Skater und Filmer stimmt.

Jonas Heß – Nosegrind Tailgrab

Nosegrind Tailgrab

Das hab ich auch schon bei den Foto Missionen, die wir zusammen hatten, bemerkt...Da waren wir meistens auch nur zu zweit. Woran liegt das?

In größeren Gruppen auf Missionen zu sein gefällt mir nicht. Ich bin dann auch nicht so produktiv, denke ich. Ich mag es nicht so vor so vielen anderen zu skaten. Wenn zum Beispiel Jan [Hoffmann] oder Julian [Ruhe] dabei sind, dann ist das ja easy, aber wenn es mehr werden, fühle ich mich unwohl. Dann fühlt es sich so an, als ob ich deren Zeit verschwenden würde und ich kann mich nicht richtig auf die Sache an sich konzentrieren.

Wenn ich zu viel darüber nachdenke, tut mir das nicht gut und es macht mich verrückt

Nach dem Part Anfang des Jahres ging es ja auch ziemlich schnell für dich und auf einmal warst du bei der Converse OneStar World Tour dabei. Er- zähl mal!

Ja, ich bin dann ziemlich schnell auf Converse gekommen und plötzlich war ich mit den Amis bei der One Star World Tour und bin die Demo mitgefahren. Das hab ich vorher noch nie gemacht, aber das war witzig! Ich war drei Tage mit dabei, wir waren in Köln und sind dann mit dem Bus nach Berlin gefahren. Man denkt dann erstmal, dass das voll die crazy Boys sind, aber das sind eigentlich auch nur ganz normale Skater. Ich hab mich echt mit allen gut verstanden und es herrschte ein guter Vibe. Sie waren alle happy, dass die Tour dann vorbei war und alles geklappt hat. Sie waren ja zwei Wochen unterwegs, sind jeden Tag ’ne andere Demo gefahren und Berlin war der letzte Stopp. Da waren alle glücklich. Ich sollte dann die Demos mitfahren, aber ich hätte mich auch einfach in die Ecke setzen können, da hätte mich auch niemand für gehasst. Ich hab mir jetzt nicht in die Hose gekackt davor, aber am Anfang war es echt merkwürdig. Aber es war schon echt cool einfach die Möglichkeit zu haben mit den Jungs abzuhängen und zu skaten.

Und danach hattest du auf einmal wieder Instagram. Warum?

Ja, das Internet und so weiter... Sage [Elsesser] hatte mir gesagt: „Yo Bro, text me on Instagram.“ Und dann hab ich mir die App runtergeladen, um ihm eine Nachricht zu schreiben. Aber dann benutzt man es schlussendlich doch wieder, wenn man es erstmal hat. Ich war jetzt nicht so richtig gegen diese Plattform, aber ich fand’s irgendwie affig. Das war auch der Grund warum ich die App vor einiger Zeit gelöscht habe. Das ist mir etwas zu privat und manche Leute geben da ein bisschen zu viel von sich Preis. Ich finde manche Sachen sollte man einfach nicht sehen. Wenn ich da jetzt wieder drauf bin, finde ich es auch komisch mir das alles anzugucken. Mir gefällt es Fotos von meinen Freunden zu sehen, aber ich fürchte mich davor, dass man so tief in die Privatsphäre von fremden Menschen eindringen kann. Ich glaube für Firmen ist es schon richtig gut, sowas zu haben. Die nutzen das dann halt als Marketing Tool. Das ist die günstigste Werbung, die man haben kann.

Jonas Heß – NoComply

No Comply

À propos Firmen: Durch Converse hast du jetzt ja auch eine gute Connection zu Danny Sommerfeld und Daniel Pannemann. Danny wollte dich ja mal auf TPDG holen. Aber warum hat das dann doch nicht geklappt?

Ich glaube das sollte einfach nicht sein. Ich konnte mich nicht so richtig mit dem Image identifizieren. Ich wurde dann gefragt, ob ich zu so ’nem Lookbook Shooting mitkommen möchte und da hatte ich irgendwie nicht so Bock drauf. Das war ganz komisch für mich. Außerdem sollte ich noch einen Clip filmen, aber ich war gerade dabei mit Leon für den Uludag2k14 Part zu filmen. Vielleicht wurde auch einfach etwas zu viel von mir verlangt. Ich verstehe mich echt gut mit Danny und gehe gerne mit ihm skaten, aber das hat halt einfach nicht geklappt.

Ich hab gehört, dass du auch Musik machst und jetzt hast du ja richtig viel Zeit. Was macht ihr für Musik und kommt bald ein Album?

Ich hab ’ne Band und vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal ein Album aufzunehmen. Ein guter Freund und ich sind ein dynamisches Rap Duo. Wir machen Hip Hop, Rap und Volksmusik. [lacht]. Das ist aber alles eher ein Joke und ist so aus der Laune heraus entstanden. Wir haben das einfach mal gemacht und uns nichts weiter dabei gedacht. Ich will den Namen der Band aber nicht verraten, dann kann das jeder googeln. Wir wollen auch nicht bekannter werden. [lacht]

Hast du Angst, dass das später mal auf dich zurückfällt?

Naja, ich will es einfach nicht mit Skateboarding in Verbindung bringen. Ich bezweifle, dass das irgendwann mal meinem Arbeitsleben schadet. Da ist ja auch nirgends mein Name zu lesen oder so. Wenn jemand meinen Namen bei Youtube eingibt, dann kommt kein Video von der Band. Das wäre auch eher schlecht. Deswegen gibt’s ja Künstlernamen.

JonasHeß_BsSmithFFM_1

Backside Smithgrind

Ok, dann verraten wir den Namen nicht...

Ja, wer es wirklich hören will, der muss es sich verdienen [lacht]. Aber um mal kurz auf Musik zu sprechen zu kommen: Ich habe mir vor drei Tagen das „The Sweet Escape“ Album von Gwen Stefani gekauft. Sehr geiles Album! [lacht]

Du hörst privat also auch relativ viel Scheiß–Musik...

Was heißt denn hier Scheiß–Musik? Ich höre nur echte Mega Hits [lacht]. Ich hör manchmal gerne so trashige Sachen. Kommt ja auch immer darauf an, was man für ’ne Stimmung hat. Ob das qualitativ hochwertige Musik ist, wage ich zu bezweifeln, aber man mag es ja trotzdem irgendwie. Ich finde fast jedes Lied hat irgendwo seine Berechtigung. Du hörst ja auch Juicy J [lacht].

Jan [Hoffmann], Julian [Ruhe] und du seid ja alle gut befreundet und werdet ja ein bisschen als Vertreter einer neuen Generation von deutschem Skaten gehandelt. Was macht ihr anders?

Wir hatten Glück, glaube ich. Wir wollen einfach nur skaten. Und anders machen wir, denke ich, nicht sehr viel. Das liegt vielleicht daran, dass wir präsent sind. Man denkt ja auch nicht von sich selbst, dass man jetzt der neue deutsche Star wird. Manche Dinge passieren, ohne dass man selbst einen Einfluss darauf hat. Ich bin immer nur geskatet ohne große Absichten zu verfolgen. Am Ende kommt immer alles anders als man denkt – das hat schon meine Oma gesagt.

Jonas Heß – Boardslide

Boardslide

Aber auf euer Skaten bezogen, seid ihr ja gerade recht modern. Woher holst du dir deine Inspiration ab?

Ich glaube zurzeit entsteht bei mir die Inspiration beim Skaten selbst. Wenn ich zu viel darüber nachdenke, tut mir das nicht gut und es macht mich verrückt. Momentan schaue ich auch kaum Skatevideos. Ich hab mir wirklich eine Zeit lang fast alles angeschaut, was neu rauskam, aber jetzt gerade habe ich einfach keine Lust mir Clips anzuschauen, ich kann dir nichtmal einen genauen Grund dafür nennen. Aber vielleicht liegt es daran, dass Jan, Julian und ich ähnliche Videos mögen und dadurch skaten wir dann auch ein bisschen ähnlich.

Das ist komisch, weil du ja gerade mit deinen 20 Jahren in dieser Clipgeneration steckst. Woher holst du dir denn dann deine Motivation?

Ich geh einfach raus und skate. Wenn ich jetzt zum Beispiel eine Line filmen will, überlege ich mir halt was die besten Sachen sein könnten, zu denen ich fähig bin. Irgendwann entwickelt man ja so seinen Geschmack und dann richtet man sich danach. In letzter Zeit versuche ich oft neue Tricks zu lernen, das finde ich spannend und ich freue mich voll, wenn es klappt. Oder ich versuche Tricks, die ich schon kann besser zu machen. Ich denke, es liegt in der Natur von jedem Skater, dass man sich verbessern möchte. Dafür gibt es ja viele verschiedene Möglichkeiten.

Ich koche nicht sehr oft, aber wenn ich koche, dann donnert’s!

Du hast ja eben gesagt, dass du in Kassel gewohnt hast – Wo bist du denn jetzt unterwegs?

Ich bin gerade wieder zu meinen Eltern aufs Dorf in der Nähe von Fulda gezogen. Was danach kommt, weiß ich noch nicht genau, aber es kann gut sein, dass ich mal nach Berlin ziehe. Ich war schon so oft dort und es fühlt sich mittlerweile schon etwas heimisch an. Ich hab aber ein bisschen Angst mich selbst in Berlin zu verlieren oder verloren zu gehen. Die Ge- fahr dort nur zu skaten oder Party zu machen ist schon relativ hoch. Aber erst mal will ich meinen Führerschein fertig machen, mehr ist zurzeit nicht geplant. Frag mich doch mal, ob ich gerne koche...

Jonas, kochst du gerne?

Ja, sehr gerne. Ich koche nicht sehr oft, aber wenn ich koche, dann donnert’s [lacht].

Jonas Heß – 5050 Up

50-50 Up

Aber nochmal zurück zum Thema: Du warst ja gerade in Warschau...Was war da los?

Ja, ich war 9 Tage mit Danny [Sommerfeld], Daniel [Pannemann], Jonathan [Peters] und Roland [Hoogwater] dort. Die Stadt ist echt cool und wir waren ziemlich produktiv. Von den Spots her ist es jetzt aber nicht so rough wie im Rest von Polen, wie ich gehört habe. In Warschau gibt’s schon gute Spots, richtig gute Spots. So mega vercrackt war da eigentlich nichts, obwohl ich ja solche Spots mag. Na klar, wenn man es wirklich darauf angelegt hat, hat man auch sowas gefunden. Das ist halt ’ne europäische Großstadt, da ist also ziemlich viel neu. Es war wirklich eine gute Tour, was auch daran lag, dass wir uns alle gut verstanden haben und Danny jede schlechte Laune sofort mit seiner Boombox bekämpft hat [lacht]. Jonathan ist gerade dabei einen Clip daraus zu schneiden. Wo und wann dieser Clip rauskommt, weiß ich aber leider noch nicht.

Ich hab jetzt keine Frage mehr offen. Hast du noch was, worüber du reden möchtest?

Wo hast du dein Hemd gekauft, Henne? [lacht] Und ja: meine Lieblingsskater sind Antwuan Dixon, Wade DesArmo, Frank Gerwer und Hendrik Herzmann.

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