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Yalla Khartoum – Mizze, Beyer und Gentsch im Sudan

Skateboarding treibt uns in viele Ecken des Planeten und kaum einer hat sich noch nicht erträumt wie es wäre, mal chinesischen Marmor, Downhills in San Francisco oder den rauen Asphalt New Yorks unter seinen Rollen zu spüren. Weniger denken wir jedoch an Länder, deren Infrastruktur vollkommen anders funktioniert als unsere und die gedanklich kaum weiter von uns Bekanntem entfernt sein könnten. Sudan ist so ein Land. Während für uns Skateboarding längst selbstverständlich geworden ist und wir uns über Klamottenstyle und verhunztes Griptape aufregen, ist es für die Kids im Sudan häufig eine vollkommen neue Erfahrung, die ihren Alltag verschönern und ihnen ein ganz neues Gefühl geben kann – so wie für uns, als wir das erste Mal auf der Planke gestanden haben. Yalla Khartoum (ein Projekt des Goethe Instituts) macht genau das möglich und für eben jenes Projekt ist Samuel Beyer schon 2014 das erste Mal in Richtung Sudan aufgebrochen und hat gemeinsam mit Prominenz wie Samy Deluxe einen Workshop begleitet. Kürzlich ist er ein weiteres mal in den Flieger und den Toyota Geländewagen gestiegen – jedoch mit Stuff von Reell, Urban Supplies und Skate Aid sowie Alex Mizurov und Gentsch im Gepäck.

Samuel Beyer & Alex Mizurov

Samuel, wie ist das Projekt 2014 an dich herangetragen worden?

Samuel: Larissa Fuhrmann vom Goethe Institut hat mich angerufen. Durch einen gemeinsamen Freund wusste sie, dass ich Skateboard fahre und hat mich deshalb gefragt, ob ich Interesse hätte 2014 Skateboardkurse im Rahmen des Projektes zu geben. Mit dem Sudan hatte ich keinerlei Beziehung, was es noch interessanter gemacht hat. Dazu finde ich die Idee mit subkultureller Kunst und Musik super – das hat sich wohl auch Samy Deluxe gedacht und somit waren wir dann gemeinsam mit Julia Benz in Khartoum.

Und wie ist es jetzt zum zweiten Trip gekommen?

Samuel: Thomas Gentsch hat mir geschrieben, dass er auch Interesse am Yalla Projekt hätte und somit haben wir geklärt, dass er mit dabei ist und dazu hat er noch Alex mit ins Boot geholt – was mich sehr gefreut hat.

"Wir haben uns ein paar Spritzen vom Arzt geben und den Rest auf uns zukommen lassen"

Alex, du bist relativ spontan zum Projekt dazugestoßen. Wie kam es dazu?

Alex: Sam wollte auf jeden Fall, dass Thomas mit dabei ist, damit auch ein Artikel entstehen konnte. Der hatte mich dann spontan angeschrieben und fragte, ob ich denn auch interessiert wäre mit zu kommen. Und da Afrika immer eine Reise wert ist, war ich kurzerhand dabei!

Hat man eigentlich Bedenken, bevor man sich auf den Weg macht? Das Auswärtige Amt zumindest spricht einige Sicherheitshinweise aus, zudem reist man ja auch nicht jeden Tag in ein Land, in dem die Scharia herrscht.

Alex: Ich erinnere mich, dass Mr. Gentsch einige Bedenken hatte. In der Mail von Larissa (Furhmann) vom Goethe Institut waren ein paar Punkte, die ihm wohl mehr oder weniger Angst gemacht haben. Wir haben uns ein paar Spritzen vom Arzt geben und den Rest auf uns zukommen lassen. Es wird auch vieles dramatischer dargestellt, als es in Wirklichkeit ist.

Du warst ja vorher noch nicht im Sudan Alex. Hattest du schon irgendein Bild von dem Land? In europäischen Medien bekommt man ja nicht viel mit…

Alex: Um ehrlich zu sein wusste ich fast nichts über dieses Land, außer dass es unterhalb Ägyptens liegt und der Nil durchfließt. Genau aus dem Grund wollte ich auch dahin, um mehr darüber zu erfahren und den Kids vor Ort das Skaten zu zeigen.

Wie war es dann, als ihr angekommen seid? Wie habt ihr das Land auf den ersten Blick wahrgenommen?

Alex: Nachdem Gentsch und sein ganzer Fotokram mit einreisen durften, hatten wir eine herzliche Begrüßung. Er hat uns dann auch ins Apartment gebracht und die Stadt erinnerte ein wenig an Dubai, da es ähnlich nach Wüste aussah und alles in Arabisch geschrieben war. Allerdings ohne die ganzen fancy Hotels und Co…

Samuel: Nach den Medienberichten hat es mich beim ersten Mal auch positiv überrascht so viel Herzlichkeit und Freude erleben zu dürfen und dazu haben wir wieder sehr offene und wissbegierige Menschen getroffen.

"Die Kinder können nichts für die Lage in der das Land sich befindet und brauchen Leute, die ihnen was Neues zeigen"
Was genau war eure Idee? Was kann Skateboarding im Sudan leisten?

Alex: Unsere Mission war es den Kids vom Goethe Institut Skateboarding und Spaß zu vermitteln! Die Kinder können nichts für die Lage in der das Land sich befindet und brauchen deswegen Leute, die ihnen was Neues zeigen.

Wie war es, im Sudan zu skaten? Abgesehen von den Kursen wart ihr ja auch Street fahren und habt Fotos mitgebracht.

Alex: Viele Spots gab es nicht und Locals, die uns was zeigen konnten, auch nicht. Deswegen sind wir in der Mittagssonne ab und zu durch die Stadt gefahren und haben auch einige wenige Sachen entdecken können. Der Hauptspot des Trips waren eigentlich perfekte 9er Stufen vor dem Corinthia Hotel, bei denen die Landung ein wenig abwärts ging, was den Spot auch echt hart gemacht hat. Es war wirklich heiß, an jedem Tag knallt da die Sonne. Aber wir haben unser Bestes gegeben um ein paar coole Shots aus einem Land zu bekommen, das wohl noch kaum anderen Skater zu Gesicht bekommen haben.

Samuel: Ich hoffe erstmal auf einen Skatepark, wo es leichter ist die Menschen zu unterrichten und in dem sie sich entwickeln können. Wer weiß, vielleicht kommen demnächst Skateboard–Legenden aus dem Sudan. Ich hoffe, dass wieder mal eine Szene entstanden ist – vor allem weil man mit dem Board unter den Füssen immer etwas Freiheit mit sich führt.

Was habt ihr von dem Trip mitgenommen?

Alex: Dass die Kinder, vor allem die Mädels, echt Bock hatten aufs Board zu steigen und was Neues auszuprobieren. Die Menschen vor Ort waren super freundlich und zuvorkommend! Das Goethe Institut ist eine super Sache für die Einheimischen und bringt die Leute zusammen. Sänger, Künstler, Skateboarder. Ich würde gerne nochmal zurück um zu schauen wie die Kids sich entwickeln, denn sie sind diejenigen die das Land in die richtige Richtung lenken können!

Samuel: Das Yalla Projekt geht auf alle Fälle weiter. Bei Interesse mal Yalla Khartoum auf Facebook oder Insta abchecken. Bis jetzt war ich auch noch nicht in anderen Ländern um Skateboarding zu verbreiten…

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