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Shane Kotte – Element Part & Interview

Dass „Bochums bester Tänzer“ nicht nur auf dem Dancefloor eine schöne Sohle macht, sondern auch auf dem Knallbrett flinke Füße hat, stellt Shane Kotte mit seinem neuen Part für Element Europe unter Beweis. Der 24-jährige Bochumer mit dem weltkürzesten Weg zur Arbeit (zwei Stockwerke die Treppe runter) fühlt sich in seiner Heimat noch immer am wohlsten und hat den Großteil seines Parts in der Stadt gefilmt, die außerhalb ihrer Stadtmauern hauptsächlich für einen blau-weißen Zweitligaclub, einen aus der Nachbarstadt gemopsten Doppelbock-Förderturm und ein Rollschuh-Musical bekannt ist. Im Interview erzählt Shane, was im Ruhrpott läuft, wie ein Unfall im Winterurlaub eine Reise nach Los Angeles bezahlen kann und wie ein Kopffick aus dem Nichts Skateboarding noch viel schwieriger macht, als es eh schon ist.

[Interview & Fotos: Philipp Schulte]

Dein Portrait in der Monster ist jetzt zwei Jahre her. Was hat sich seitdem bei dir verändert?
Eigentlich nicht viel. Ich bin mit meiner Freundin zusammengezogen und bin jetzt im Frühling mit meiner Ausbildung beim Plan-B Skateshop in Bochum fertig. Dann will ich auf jeden Fall eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt machen und weiter im Shop arbeiten.

Gefällt dir der Job, trotz der ganzen Longboards, die du verkaufen musst?
Achja, alles easy! Über die Longboards schau ich einfach hinweg, passt schon. Das machen meistens die Chefs oder ich schick den Dauerpraktikanten hin, wenn ich seh, dass Longboarder ankommen. Sonst ist der Job super, die Chefs sind entspannt und wenn ich mal sag „Jungs, kann ich heute einen Trick filmen gehen?“, dann ist das kein Problem. Klar, man hat auch mal Kunden wie dieses Longboard-Kid letztens, das in den Laden kam und meinte, „Ihr habt meinen ganzen Geburtstag versaut!“, weil seine Mom ihm zum Geburtstag ein Longboard geholt hat und da ein Luftbläschen unter dem Griptape war. Der kleine Strolch war fest davon überzeugt, dass das Board deswegen im Arsch ist. Aber solche Geschichten sind dann auch eher lustig, als dass man sich drüber abfuckt.

Shane Kotte

Dann lass uns mal über deinen Part reden: Wie lange hast du daran gearbeitet?
Das ging los mit der Bright 2014, als der Element-Europa-Teammanager meinte, dass ich mal was filmen soll. Seit Herbst 2014 hab ich dann losgelegt, erst viel mit Andi Wolff gefilmt und mir dann selber eine Kamera zugelegt, so dass ich eigentlich immer filmen konnte.

Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?
Für das, was im Moment für mich möglich ist, ist es ganz in Ordnung. 100-prozentig zufrieden bin ich natürlich nicht, ich hab da schon noch einige offene Rechnungen. Im Großen und Ganzen ist es in Ordnung – aber vor zwei Jahren hätte es anders ausgesehen.

Im Sinne von: Besser?
Ja.

Das ging 40 Minuten so, Höllenschmerz, ich war kreideweiß, komplett durchgeschwitzt und bis auf einen kleinen Punkt war mein ganzes Blickfeld schwarz…

Was hält dich denn zurück?
Das ist eine längere Geschichte: Im November 2014 war ich mit Robert Christ in Krefeld auf Mission unterwegs, Photos schießen. Wir waren an ein paar verschiedenen Spots und weil ich kein Ticket habe und deshalb nicht so mobil bin – deswegen ist auch ein Großteil meines Part in Bochum und Umgebung entstanden – dachte ich mir: „Wenn du jetzt schonmal hier bist, musst du auch an jedem Spot etwas mitnehmen!“ Es war unnormal heiß, wir waren eine 15-Mann-Crew und wie das dann so ist rotierten einige Sportzigaretten und es wurden hauptsächlich Energy Drinks gekippt – alles Dinge, die dem Skaten jetzt nicht unbedingt förderlich sind. Ich hab mich gut verausgabt und wir sind dann trotzdem noch zu dem 5er Set mit dem langen Bordstein, wo ich im Part den Backside Flip gemacht habe. Der ging recht schnell, also wollte ich noch ein paar Tricks mehr machen und hab mich nochmal richtig aufgeraucht, bis ich gar nicht mehr konnte und abbrechen musste. Ich dachte mir halt, „Wann komm ich mal wieder nach Krefeld?“, wobei das jetzt auch nicht so weit weg ist, aber ohne Karre oder Ticket ist es schon schwierig. Außerdem war ich das erste Mal mit Robert Photos schießen, also wollte ich abliefern, damit es sich auch für ihn lohnt. Danach saßen wir im Auto und wollten noch einen letzten Spot ansteuern. Da ging’s los und ich hab gemerkt, wie mir quasi Blitze durch die Oberschenkel jagen. Ich dachte mir, „Ok, gleich kriegste Krämpfe“, aber welcher Skater kennt das nicht? Das ist ja auch eigentlich nichts schlimmes, man drückt dagegen, der Krampf löst sich und alles ist wieder easy. Wir kommen also am Spot an und ich will die Beine ausstrecken – da bin ich schon direkt aus dem Auto gefallen; wie ‘ne Perle, die das erste Mal auf Stöckelschuhen läuft. Komplett weggezittert, beide Beine komplett verkrampft und so lag ich dann erstmal paar Minuten auf dem Parkplatz. Dann wollte ich gegendehnen, wie man das halt so macht und auf einmal merk ich’s im Bauch, im Rücken, zwischen den Rippen, bis zum Hals – mein ganzer Körper hat sich verkrampft. Das ging 40 Minuten so, Höllenschmerz, ich war kreideweiß, komplett durchgeschwitzt und bis auf einen kleinen Punkt war mein ganzes Blickfeld schwarz… Und seitdem hab ich auf jeden Fall ein Trauma.

Shane Kotte

Wie äußert sich das?
Wenn ich jetzt zum Beispiel skaten gehe und mich dann nach ‘ner Stunde mal hinsetze um eine zu rauchen oder was zu trinken, dann merk ich direkt, dass sich schon wieder sowas anbahnt. Das ist wie eine Blockade und das hält mich zurück. Alle Gaps im Part habe ich vor der Geschichte gefilmt, weil ich danach nicht mehr auf den Impact klarkam.

Und was macht man dagegen?
Ich war bei verschiedenen Ärzten, hab große Blutbilder gemacht und mich komplett durchchecken lassen, ob ich vielleicht irgendeinen Mineralstoffmangel habe, der das erklären würde. Aber die haben nichts gefunden und mir gesagt, dass das ein Kopfding ist. Ich denk mittlerweile jeden Tag an Krämpfe, sogar, wenn ich nicht skaten gehe. Ich hab mir alle möglichen Magnesiumpräparate geholt und passe total auf, dass ich direkt aufhöre, wenn ich irgendwas merke. Ich hab in zwei Wochen einen Termin beim Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, auf den ich seit acht Monaten warte. Ich hoffe, der kann mir helfen.

Klingt nach einer ausgewachsenen Skateblockade.
Das hemmt mich auf jeden Fall, richtiger Kopffick. Und ich hab total Bock, größere Spots zu fahren, aber mein Kopf macht nicht mit. Das fuckt mich so ab: Ich bin bald mit der Ausbildung fertig, ich hab ein bisschen Geld gespart, ich könnte jeden Tag skaten gehen und ein bisschen reisen, da ich von Element auch Reisebudget bekomme – aber das läuft grad nicht. Das muss ich erstmal wieder in den Griff kriegen.

Wenn man sich deinen Instagram-Account anguckt, dann sieht man eine Mischung aus Skateclips, Hochglanz-Postkartenmotiven und Sponsor-Packages und respektable 4000 Follower. Wie wichtig ist dir deine Außenwahrnehmung?
Ach, das ist mir eigentlich egal. Ich versuch einfach, den Jungs von Urban Supplies und Element was zurückzugeben, ein bisschen zu representen und so meine Dankbarkeit auszudrücken. Keine Ahnung, wieviel Sinn das wirklich macht, haha!

Warum ist eigentlich deine Freundin Jana auf keinem deiner Urlaubsbilder aus Los Angeles zu sehen?
Guck dir mal ihren Account an, da sind auch nur Bilder von ihr drauf, haha!

Shane Kotte

Hat sie den Trip nicht sogar bezahlt?
Yo, die Flüge hat sie übernommen, von ihrem Schmerzensgeld aus dem Winterurlaub. Wir waren Anfang 2015 für ein paar Tage zum Snowboard fahren weg und da wurde sie von einem Skifahrer umgeheizt. Schienbeinkopf unter der Kniescheibe zertrümmert, Meniskus gerissen, Urlaub im Arsch. Die Wochen danach hab ich 24/7 bei ihr im Krankenhaus verbracht, wenn ich nicht arbeiten war. Naja, immerhin hat sie Schmerzensgeld bekommen, die Flüge nach Los Angeles gesponsert und den Rest vershoppt, haha!

Wenn ich mir die tätowierte Palmenlandschaft auf deinem Unterarm angucke, dann war das ein langgehegter Traum von dir, oder?
Auf jeden Fall! Das kommt sicher auch von den ganzen Skatevideos: Geile Spots, geiles Wetter, geile Mädels, geile Strände, geiles Essen – was willste mehr? Früher hätte ich da gerne gelebt, aber nachdem ich jetzt da war, seh ich das ein bisschen nüchterner. Es gibt keine Krankenversicherung und wenn du keinen Job hast, dann kannste draußen unterm Pier pennen. Bei meiner Krankheitsgeschichte bleib ich lieber erstmal hier, haha!

Naja, immerhin hat sie Schmerzensgeld bekommen, die Flüge nach Los Angeles gesponsert und den Rest vershoppt, haha!

Im Ruhrpott ist es auch schön.
Normal, Bochum beste Stadt! Ich bin auf Kohle geboren, muss ich da noch irgendwas begründen?

Eigentlich nicht. Was ist eigentlich aus Bochums bestem Tänzer geworden?
Der ist noch aktiv, ich bin aber ruhiger geworden. Das ist wieder das Thema mit den Krämpfen, nach zwei Stunden is’ durch.

Du bist born and raised in Bochum, wie siehst du die Skateszene im Pott?
Die ist auf jeden Fall da und am Start, aber ein bisschen zerpflückt. Es gibt auch keine zentralen Spots wie z.B. die Bänke in Berlin, wo sich alle zentral treffen können. Hier kennt man sich, aber alle kochen eher ihr eigenes Süppchen. Die Dortmunder machen Obtain, in Essen gibt’s Europe, in Düsseldorf Almaros und Getrash in Oberhausen. Mir ist das egal, wenn einer Bock auf skaten hat, bin ich dabei. Also ruft mich an, Leute, ich bin am Start!

Shane Kotte

Was sind deine Lieblingspottspots?
Auf Platz 1 ist auf jeden Fall die Hustadt in Bochum. Da bin ich groß geworden, das ist mein Wohnzimmer. Wenn man Wuppertal zum Ruhrpott zählen möchte, dann der Haspel auf Platz 2. Sonst habe ich nicht wirklich Lieblingspots im Ruhrpott – das sind alles eher so Spots wo man hingeht, einen Trick filmt und wieder abhaut.

Und deine Top-5-Skater im Pott?
Platz 1 ist Patrick „Skippy“ Vetter, dat is’ eh klar. Tim „El Sicko“ Junga ist seit Jahren ein guter Freund, Sascha Scharf geht ab und Pascal „Pancho“ De Stena sowieso. Und natürlich Laura Kaczmarek!

Vor zwei Jahren war dein Portrait, jetzt ist dein Part da – wann kommt das Full-Length-Interview?
Wenn ich das mit den Krämpfen in den Griff bekomme, gib‘ mir ein Jahr. Sonst eineinhalb, dann muss ich halt zweimal zum Spot, haha! Ich will auf jeden Fall auch noch einen weiteren Part filmen. Sobald der Kopffick überwunden ist, geht’s wieder nach oben. Dann hab ich die Ausbildung fertig, mehr Geld in der Tasche und kann mir vielleicht auch mal ein Auto kaufen und mal hier rauskommen.

Das sind doch gute Aussichten. Haste noch Shout-outs loszuwerden?
Auf jeden! Ein großes Danke an Jochen und Dan von Plan-B, Felix und die Jungs von Urban Supplies, Alex und die Jungs von Element Europa und Andre Wienkamp. Grüße an alle Homies, alle Hunde, den 1. FC Hängengeblieben und meine Boys and Girls auf dem Techno-Dancefloor!


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