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Jin Yob Kim

About The Quiet Leaf

Das aus Seoul stammende Magazine The Quiet Leaf war mir schon seit dem Release der ersten Ausgabe 2014 ein Begriff, lange bevor ich den Chefredakteur Jin Yob Kim irgendwann kontaktiert habe (der Name des Magazins, so wurde mir später erklärt, ist übrigens eine Ableitung seines koreanischen Namens). Ich war nicht wenig überrascht, als ich eine Antwortmail von ihm in einwandfreiem Deutsch zurück erhielt. Wie sich herausstellte, kommt der Gute Jin aus dem Rheinland. Geboren in Bonn und aufgewachsen in einer Kleinstadt nicht weit von unserm Kölner Hauptquartier entfernt. Wir sind in Kontakt geblieben und vor Kurzem hatte ich das Vergnügen, ihn und seine Frau Sumin, die sich als Art Director um das Heft kümmert, in Seoul zu besuchen. Selbstverständlich habe ich die Gelegenheit genutzt um ein kleines Nerdgespräch über Magazine und im Speziellen The Quiet Leaf (Ausgabe 7 ist derzeit in der Planung) zu führen, bevor wir einen der besten Plaza spots geskatet sind, den ich je fahren durfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jin

Jin

Sumin2

Sumin

Wie bist du anfangs in Kontakt mit dem Skateboard gekommen?

Als kleiner Junge hab ich den Film “Rebellen auf Skateboards” mit Christian Slater als Skater gesehen. Im Film geht’s darum, dass der brave asiatische Stiefbruder des Hauptdarstellers ermordet wird und der Rebell verwendet sein Skateboard samt Netzwerk auf der Suche nach Gerechtigkeit. Was für eine Story. Jedenfalls wollte ich nach dem Film nichts anderes als Skaten. Wenig später hab ich mir mein erstes Board besorgt, mit alten Achsen von noch älteren Skatern der Stadt. Und durch Skatemags bin ich dann ans Schreiben und Fotografieren gekommen.

Welche Hefte hast du denn damals gelesen?

Größtenteils Transworld und zwischendurch das ein oder andere Thrasher mag. Das Monster war damals auch super populär und bei einem Schulausflug nach London bin ich an meine ersten Sidewalks gekommen. Aber Transworld hatte wahrscheinlich den größten Einfluss auf mich. Deren Videos waren auch super damals. Sixth Sense war darunter mein erstes. Weißt du noch, als damals alle Welt auf das neue Transworldvideo gewartet haben?   

Und wie kam das mit der Fotografie, war das auch zu dem Zeitpunkt?

Genau. Zu der Zeit hatte ich eine Plastikkamera, die mich genug interessiert hat um ein Schulpraktikum in einem Fotostudio zu machen. Ein super klassischer Laden, der sich auf Schwarzweissportraits spezialisiert hatte. Da hab ich dann Dinge über Komposition, Fokussieren und Entwickeln gelernt. Nach dem Praktikum hab ich mir meine erste Spiegelreflex zugelegt, eine gebrauchte Minolta X-300.

Soloskatemag Pfuetze 1

Yeelen Moens

Hast du in deiner Zeit in Deutschland schon Zines oder ähnliches gemacht?

Leider nichts Vorzeigbares. Obwohl ich eine Zeit lang mit Fotos echt motiviert war. Ich weiss noch, dass ich einmal bei einem Jugendfotowettbewerb mitgemacht hab. Hab dort Fotos eingereicht und dadurch absolut gar nichts erreicht. Die Enttäuschung war gross und für eine Weile hab ich meine Minolta nicht mehr angefasst. Entstaubt hab ich sie erst wieder als ich auf einer koreanisch-deutschen website eine Anzeige gesehen hab, auf der nach jungen Fotografen gesucht wurde. Da hab ich wieder Bilder eingereicht und wurde tatsächlich zu einer Gruppenshow in Berlin eingeladen.

In der Uni hast du Übersetzung studiert. Hast du dort entschieden, nach Korea zu ziehen?

Mein Professor an der Uni Bonn, der ein Faible für die Literaturübersetzung hat, hatte mir vorgeschlagen, mich für ein Stipendium am Korea Literature Translation Institute in Seoul zu bewerben. Das hab ich irgendwie bekommen und dadurch war ich dann wieder für eine Weile hier. Während dem einen Jahr hab ich einige gute Freunde gewonnen und hätte gleich bleiben können, aber ich wollte unbedingt noch einen Master machen. Für den bin ich an die SOAS und war deswegen für anderthalb Jahre in London. Und in der Zeit hab ich entschieden, schlussendlich nach Korea zu ziehen. Seoul ist eine echt charmante Stadt. Witzig, wie ein Ort dir sagen kann, wo du hingehörst.

"Ich denke, dass es wichtig ist, im nahen Kontakt mit anderen Skatern zu sein. Besonders der Austausch mit dem Nachwuchs ist mir wichtig."

Hast du das Magazin ganz allein gestartet?

Nee, das war ein gemeinsamer Beschluss. Man könnte zwar sagen, dass die erste vage Idee aus meiner Birne gestammt hat und dass ein paar erste Jobs hier in Seoul, einschließlich zwei anderen Magazinen, diese Idee weiterentwickelt haben, bis ich eines Tages Sumin getroffen habe. Und sie als Designerin hat dann tatsächliche Substanz hinzugefügt. Sie hat, zum Beispiel, ein Logo kreiert und geholfen, das gesamte Projekt auf die Beine zu stellen. Wir leiten das Heft gemeinsam und wir werden bald noch mehr Hilfe brauchen.

Soloskatemag Quiet Onvacation

on vacation - the quiet leaf

Das Mag ist wirklich super gelungen. War da viel Recherche von Nöten, z.B. was das Papier anbelangt?

Danke! Ja, da haben wir schon viel Zeit investiert. Das Papier, das wir für das Cover benutzen, ist japanischer Herkunft, ziemlich rau und schwer. Find ich immer noch nice. Unser Drucker hatte uns von dem Papier abgeraten, weil jede falsche Berührung eine Delle oder Schmutz hinterlässt, aber das war genau das, was ich wollte. Jeder Leser hat so seine eigenen Eigenschaften im Gebrauch. Auf diese Weise wird dann jedes Exemplar ein Bisschen persönlicher.

Was war die ursprüngliche Idee hinter dem Mag?

Der Grundgedanke war von Anfang an, die Skateszene (oder zumindest einen Teil davon) in einem Land oder einem Ort zu besuchen und mit einer Prise Reisejournal zu portraitieren. Wobei der letzte Teil über die Zeit etwas verloren gegangen ist. Aber ein Ziel war es immer, dass wir den jeweiligen Ort besuchen, ein paar Locals treffen und einen Eindruck der Szene zu bekommen. So können wir im schlimmsten Fall auf einen gemeinsamen Urlaub zurück blicken. Eine weitere Regel, die ich mir anfangs aufgestellt hatte ist, die Skater die wir treffen als echte Menschen zu beschreiben. Ich finde, Skater werden oftmals in ihren Tricks oder ihren Styles verpackt, was ich natürlich auch sehe, aber mich interessiert auch die Person und ihre Geschichte, die sich hinter dem Namen verbirgt. Und visuell finde ich es wichtig, Schrift- und Bildmaterial im Heft zu trennen, sprich nicht zu überlappen, weil ich beides gleichermaßen wichtig finde. Und ich mag Weißraum. Wir wollen, dass der Leser das Mag an einer beliebigen Stelle aufschlagen und das Auge gleich registrieren kann, wo es hin soll.

Wie würdest du den Inhalt des Mags beschreiben?

Einfach ausgedrückt strukturieren wir das Heft so, dass kleinere Artikel an den Anfang und ans Ende kommen, sodass die Hauptartikel die Mitte füllen. Ich sag immer Hamburger dazu, das Fleisch zwischen das Grünzeug, die Soßen und das Brot. Ich möchte, dass jede Ausgabe ein down-tempo Vergnügen wird. Ich lass mir gerne Zeit mit dem Schreiben und ich hoffe, dass sich der Leser genauso Zeit fürs Lesen nimmt. Wenn ein Artikel, nachdem ich den letzten Satz überarbeitet hab, dreißig Seiten lang ist, dann ist er eben dreißig Seiten lang. Dann kann ich nur noch hoffen, dass sich der Leser von seinem Handy befreit und bequem zurücklehnt.

Joseph Biais

Soloskatemag Quiet Paralax

Joseph Biais

Sind alle Fotos von dir?

Nee, auf keinen Fall. Manchmal ist es meine Auswahl, aber wir legen großen Wert darauf, junge local Fotografen einzubinden. Im Hauptartikel, On Vacation, versuch ich selbst alles zu schießen, aber wir haben in der Regel einen Haufen Beiträger. In einem der Artikel, Visible Cities (abgeleitet von Italo Calvinos 1972er Roman „Die unsichtbaren Städte“), suchen wir uns jedes Mal einen lokalen Fotografen, der uns seine Stadt anhand seiner Fotos zeigt, ohne viel Gefasel.

Was versuchst du mit deiner eigenen Fotografie einzufangen?

Ich suche immer nach visuell attraktiven Kompositionen, z.B. Linien und Strukturen, Rahmen oder Reflexionen. Find ich interessant, dafür nach Sachen zu suchen, die um einen herum sind. Oft hilft ein Baum oder eine Pfütze, manchmal ein eingeschmissenes Fenster. Andere Fotos sind wiederum witzig, weil einfach das Subjekt interessant ist. Aber leider ist das nicht immer der Fall. Im Magazin versuch ich jedenfalls eine Story zu erzählen und verwende dafür Geschriebenes und Fotografiertes. Wenn es um Skater geht, bin ich immer daran interessiert was zwischen den Tricks und zwischen den Spots passiert. Ich versuche dann alles, was ich sehe und denke, dem Leser mitzuteilen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Produktion wegen der Papierqualität und des Formats recht teuer wird. Ist die Finanzierung ein Problem?

Für die erste Ausgabe war sie nicht einfach, weil wir kein Budget hatten und selbstverständlich keine frühere Nummer zum Vorzeigen hatten. Glücklicherweise haben uns einige Brands ausgeholfen und wir sind immer dankbar für den Support, den wir von überall bekommen. Mittlerweile ist es etwas einfacher (noch immer nicht einfach) und wir kriegen genug Anzeigen verkauft, um die nächste Ausgabe zu planen.

Soloskatemag Quiet Interview 1

interview - the quiet leaf

Außerdem unterstützt du die koreanische Szene mit Sachen wie Ausstellungen. Womit hilfst du sonst noch?

Wir versuchen es auf jeden Fall. Neulich hatten wir eine Gruppenausstellung in Zusammenarbeit mit Victoria aus Hong Kong. Die Show fand in unserem Büro statt und wir hatten Fotos von Lui Araki, Dustin Adams, Soojin Park und meiner Wenigkeit. Wir hatten zahlreiche Besucher, darunter alte und neue Freunde mit denen wir Neuigkeiten und Vorhaben ausgetauscht haben. Außerdem nehmen wir an Sachen wie House of Vans teil und versuchen, mit verschiedenen Brands zu arbeiten um Events und andere Treffpunkte für Skater, Marken und normal sterbliche zu organisieren. Und mit einer zugegebenen Portion Eigensinn versuche ich so oft wie möglich skaten zu gehen.

Ich suche gern das Gespräch mit ihm um Tricks und Style, Zukunft und solche Sachen zu diskutieren. Hierarchiebewusstsein in Korea ist immer noch sichtbar und manchmal ist es für die Kids nicht einfach, einen Älteren anzusprechen. Aber ab und an passiert es dann eben doch, dass mich einer antippt und was fragt. Da helfe ich dann gern wo ich kann.

Wie seid ihr in Kontakt mit Shops auf der ganzen Welt gekommen, die The Quiet Leaf im Regal stehen haben? Wo können Leute denn das Heft bekommen?

Am Anfang waren wir so besorgt, die erste Ausgabe fertig zu stellen, dass wir keine Ahnung hatten, was wir mit den Boxen machen sollten, als das Heft vom Printer geliefert wurde. Wir sind dann mit den Dingern im Gepäck nach Deutschland und durch ein paar Nebenländer um uns vorzustellen und Musterexemplare dazulassen. Und viele der Shops haben uns später angeschrieben. Wahrscheinlich ein eher altmodischer Ansatz. Mittlerweile kriegen wir emails von interessierten Läden. Und Leser können bald auf unserer bald offenen website www.thequietleaf.com sämtliche Ausgaben und andere Sachen bestellen.

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