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Janosch Pugnaghi

Friendly Filmer

Der Filmer Janosch Pugnaghi war der erste aus der Redaktion den ich kennenlernte, als ich 2011 bei der Monster anfing. Er war zu der Zeit Prakti und wir trafen uns am Bahnhof Würzburg um gemeinsam zum Wängl Tängl nach Österreich zu fahren. Er hat sich damals nur von Mozzarella ernährt und Super 8 Effekte ohne Objektiv mit seinen Händen simuliert. Low Budget Style. Viel hat sich seitdem eigentlich nicht geändert, außer dass er mittlerweile zu meinen besten Freunden zählt, durch ihn mein grottiges Skaten zumindest halbwegs in gutem Licht erscheint und ich ihn weltweit berühmt gemacht habe. Schließlich war ich der Filmer des Videos von ihm in Paris, das, keine Ahnung warum, mittlerweile fast 1,3 Mio. Youtube Views sammeln konnte.

Friendly Filmer


Janosch, du bist ja eher Low Budget unterwegs und warst auch schon mal nur mit Kamera und einem Objektiv im Turnbeutel auf ’nem Contestwochende. Wieso?

Die erste HD Kamera hab ich nach meinem Praktikum von der Monster bekommen. Ich hab immer mit sehr reduziertem Setup gearbeitet. Ich hatte nur ein 50mm und ein Fisheye und das hat mir auch voll und ganz gereicht. Wenn man sein Equipment gut kennt, kann man auch damit gute Sachen machen. Oli Barton [ehemaliger Transworld Fotograf, Anm. d. Red.] hat mich auch immer Gipsy-Filmer genannt, weil ich alles einfach in den Rucksack geworfen hab, mit crappy Henkel und so. Irgendwie passt Hightech-Equipment auch nicht zu mir. Als ich es versucht habe, wurde mir direkt alles in London geklaut.

Und selbst jetzt wo du die Sony A7s hast, hast du schon wieder Retro-Objektive drauf.

Ja, die sind halt günstig und haben Charme. Außerdem mag ich es auch, ein Setup zu besitzen, das unique ist.

"Irgendwie passt Hightech-Equipment nicht zu mir. Als ich es versucht habe, wurde mir direkt alles in London geklaut"

Neben den Videos selbst, produzierst du häufig auch gleich noch die Musik dazu. Wieso?

Weil’s Spaß macht und man genau das machen kann, was man für das Video braucht. Außerdem finde ich, dass zu dem Skaten das ich filme, keine professionelle Musik passt. Ich filme keine High-End Hollywoodproduktionen, sondern wir machen unser eigenes Ding, deshalb passt das so besser. Wir skaten und filmen selbst, wir machen die Artwork und Animationen selbst, da ist es nur logisch auch die Musik selbst zu produzieren. Skaten ist eben ein DIY Ding. Meistens nehme ich das mit Viktor Rosengrün zusammen oder mit Sanjin Borogovac und Maik Meunzer auf. Wir machen viele unterschiedliche Projekte und haben deshalb keine Band, sondern gleich eine Art Label gegründet. Wir haben das Neu und Kaputt genannt und machen da eigenen Kram. Dann hat man keine Probleme mit Gema und all so was.

Ihr habt ja auch den Sound für dein neuestes Video Moiré produziert. Das besticht aber vor allem durch die Effekte. Was war da das Ziel dahinter?

Das ist visuell auf die heutige Zeit ausgerichtet, daran wofür die heutige Zeit wahrscheinlich irgendwann mal stehen wird, so wie VHS für die 80er. Datamoshing ist ein Codec Fehler und diese Codecs wird es irgendwann wahrscheinlich nicht mehr geben. Ich hab einige Sachen mit dem Handy vom Screen abgefilmt, was ja auch viele machen, um das dann schnell irgendwo zu verschicken. Teilweise hab ich auch absichtlich verwackelt gefilmt und die Aufnahmen im Schnitt mit Warpstabilizer stabilisiert, um auch den entsprechenden Effekt zu bekommen, den man aus vielen Youtube Videos kennt. Dann hab ich noch mit übertriebenen Twixstor Einstellungen experimentiert um diese Fehler zu bekommen, die für die heutige Zeit stehen und die wir in ein paar Jahren vielleicht witzig finden.

Es ist dir schon immer wichtig, dem Video eine besondere Note zu geben, oder?

Beim Skaten zählen im Endeffekt immer die Tricks, die Aufmachung ist leider eigentlich egal. Ich versuch zwar immer noch eine weitere Ebene mit reinzubringen, aber für die Skater zählen am Ende im Grunde nur die Tricks, was ein bisschen schade ist.

Bei VX1000 Ohne gibt es jetzt ja keine Skater.

Darauf spielt es genau an, dass sich alles immer nur um Tricks und Styles dreht und es eben nie eine andere Ebene gibt. Das ist ein klassisches Skatevideo, nur halt ohne Tricks. Der Fokus liegt in dem Fall auf der Architektur und wie der Raum von den Skatern genutzt wird. Das Witzige ist, da ist mit Willow fast die ganze Zeit einer der bekanntesten deutschen Skater drin, aber man sieht ihn nicht. [lacht]

Wie hast du das gefilmt?

Ich hab einmal die Line mit Skater gefilmt, dann die gleiche Line mit der gleichen Geschwindigkeit ohne Skater und am Ende hab ich den Sound von der einen Line auf die andere gelegt.

Das war ja ein Studienprojekt. Erzähl mal von deinem Studium. Das lässt du ja gelegentlich schleifen…

Ich studiere Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln und bin ein fauler Student. Ich wollte für die Uni eigentlich nichts mit Skateboarding machen, aber weil die Zeit knapp wurde, ist doch wieder ein Skateprojekt dabei rausgekommen.

Deine Skatevideos haben aber auch immer einen konzeptionellen Ansatz, wie z.B. Lentpark 2000.

Ich find das wichtig, dass es einen einheitlichen Look gibt oder irgendwas, was das Video inhaltlich verbindet. Jute Zick z.B. hatte nur Krautrock als Musik und psychedelische Visuals. Lentpark war ein interessantes Projekt, weil ich jedem der 16 Skatern nur einen Tag Zeit für ihren Part gegeben habe und damit nach nur zwei Monaten schon ein fertiges Skatevideo hatte. Heutzutage ist es eh hart, ein Full Length Video über drei Jahre zu filmen, bei der Frequenz mit der ständig Clips rauskommen.

Neben Konzepten hast du auch immer Spaß am Schabernack. Wie z.B. beim Triple Kickflip Backtail.

Das war aber eigentlich die Idee von Marcel Sygula und der hat das auch animiert, ich hab nur gefilmt.

Marcel hat dir auch beim New York Clip geholfen. Erläutere das Projekt doch nochmal, weil ich glaube, viele meinen immer noch, ihr wärt tatsächlich in New York gewesen.

Aus Spaß haben wir allen erzählt, dass wir da hinfliegen und sind sogar zum Flughafen, haben ein Gruppenbild für Instagram gemacht und uns eine Woche nicht in Köln blicken lassen. Dann haben wir versucht Spots zu skaten, die in unserer Vorstellung aussahen wie in New York. Von uns war ja noch keiner da. Der Grund die Sache ins Leben zu rufen war, diese gerade angesagten, coolen New York Clips etwas auf die Schippe zu nehmen und zu zeigen, dass man hier mit etwas Kreativität genau so coole Sachen filmen kann.

In dem Clip war auch Willow zu sehen, der jetzt gerade tatsächlich noch in New York war. Du bist der Filmer mit dem er immer loszieht und er hat sogar eine Skulptur nach dir benannt. Wie hat sich das ergeben?

Nach der Banger Bus Tour haben wir mehr miteinander gemacht und für das Almost 5-Incher Video gefilmt und so hat das angefangen. Ich film halt mit Willow, aber eigentlich ist er ein guter Freund.

Was sind deine Zukunftspläne?

Ich will einfach weiter Skaten filmen, aber mehr reinbringen als nur Skateboarding, wie jetzt auch schon beim New York Clip.

Und zum Abschluss, beweis bitte noch deine unglaubliche Fähigkeit auf einem anderen Gebiet und zähl alle Pokémons auf.

Bisasam, Bisaknosp, Bisaflor, Glumanda, Glutexo, Glurak, Schiggy, Schillok, Turtok, Raupy, Safcon…

Janosch Pugnaghi

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