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Inside the mind of Pontus Alv

Skater, Filmer, Cutter, Producer, Company Owner...

Als ich Pontus auf Facetime erreiche, gibt er mir erst mal einen digitalen Rundgang durch das Polar Hauptquartier. Es ist nun ein größeres als noch zu Anfang und zwei Schlafkojen und Dusche und Küche sind eingebaut, damit die Teamfahrer auf Besuch hier übernachten können. Ich frage ihn, ob er während des Videoschnitts auch gelegentlich hier übernachtet hat, aber er verneint. Er wohnt nur zwei Minuten vom Büro entfernt (siehe No Comply Foto) und hat versucht, sich diesmal an einen natürlicheren Rhythmus zu halten. Morgens ins Büro, abends nach Hause – während er bei den letzten Videos die Nächte durchgearbeitet hat und schlief, wenn die Augen zufielen. Nun geht also alles einen geregelteren Gang, trotz tausender Verpflichtungen, die er neben dem Video noch hat.

Aber so ganz abschalten kann er dann doch nicht, gesteht er ein, es gibt ja noch iPhones und damit steht er ständig mit seinen Teamfahrern in Kontakt. Schließlich will er immer mitten drin sein, dabei sein, Inspiration geben. Bei dem Thema wandelt sich die begonnene Plauderei auch zum Interview, das sich um den ersten Polar Full Length Output „I like it here inside my mind, don’t wake me this time“ drehen soll.

Pontus No Comply180 Web

No Comply 180 vor der eigenen Haustür

Jetzt da ich die ganze Infrastruktur für Produktion und Vertrieb habe, plane ich den Fahrern zukünftig ihr eigenes Ding zu ermöglichen. Es ist wichtig mit ihnen zu wachsen. Ich seh das als Plattform. Wenn Nils [Svensson] ein Buch machen möchte, ist alles dafür bereit. Das hilft den Leuten. Du willst Shirts machen? Wir kriegen das hin und die Jungs müssen nicht erst durch die Hölle gehen und Produzenten finden, die sie abziehen wollen, was ihnen die Kreativität raubt. Ich musste da durch und kann jetzt helfen und sie können sich auf die Gestaltung fokussieren. Die Bloby’s träumen von einem eigenen Brand, aber wissen nicht wie. Wie die Produktion läuft und alles. Bei mir war es am Anfang genau so.

"Ein Full Length ist der Endgegner für eine Company und auch deren Fahrer."

Dein Leitspruch lautet – andere inspirieren, damit sie sich selbst inspirieren. Ist das auch das Hauptthema hinter dem Video?

Mittlerweile habe ich nicht mehr die Zeit mich um alles selbst zu kümmern. Ich bringe gerne Menschen zusammen und tausche Ideen mit ihnen aus. Ich mag es, mit den Fahrern über Tricks zu sprechen, man führt die Leute und pflanzt Samen. Ich hab Hjalte [Halberg] gesagt: „Du solltest einen Halfcabflip Backside 50-50 machen“. Ich hab nicht die Zeit den zu machen, aber ich würde den gerne sehen und kurz drauf schickt er mir die Footage. Das ist cool. Es ist eine Plattform auf der sich die Leute frei fühlen können und wissen, dass jemand sie leitet. Bestes Beispiel ist Kevin [Rodrigues]. Er war schon richtig gut als er zu Polar kam, aber er steckte noch in der Entwicklung. Dann lenkt man ihn in eine bestimmte Richtung, er holt sich dadurch Inspiration und experimentiert in eine andere Richtung weiter. Er fragt mich: „Was hältst du von dem Outfit? Wie findest du diesen Trick?“ Ich hab ihm immer gesagt, dass seine Early Grabs richtig dope sind und er hat sie auf ein neues Level gebracht. Du versuchst der Antrieb für Alle zu sein. So auch als Fabian [Fuchs] zu uns kam. Er hatte viel Wissen und Fähigkeiten Dinge umzusetzen, aber dann hab ich ihm alte Animationen gezeigt. Alle Animationen sind von „Rhythmus 21“, einem Hans Richter Film, inspiriert. Er ist mein Gott. Er ist einer der Pioniere abstrakter Filme, die rein auf visueller Ebene funktionieren. Klar entstehen viele eigene Ideen, aber wir leben in einer Zeit, in der schon alles gemacht wurde und du holst dir eben Inspiration und bringst einen neuen Dreh rein. So auch mit der Musik im Video. Es sind viele Songs drin, die vorher schon benutzt wurden.

Was gefällt dir an den Songs und den alten Videos?

Ich fühlte mich verantwortlich, diese großartigen Videos, die Musik, die mein Leben verändert haben, an Jungs wie Oski [Oskar Rozenberg] und David [Stenström] weiterzugeben. Der Song von Dane [Brady] ist ein Song aus einem alten H-Street Video und zusammen mit seinem Skaten, berührt einen das richtig, so wie es mich damals berührt hat, als ich das Video mit zehn Jahren sah. Ich hab mich gefragt, ob man das in Vergessenheit geraten lassen sollte, einfach weil es die Regel gibt, bereits benutzte Sachen nicht mehr zu nehmen, oder sollte man nicht lieber sagen: „Fuck it, das ist 25 Jahre her“? Ich wollte die Songs noch mal mit aktuellem Skaten präsentieren und die Geschichte an die neue Generation herantragen. Ich hab auch in den Credits auf bestimmte Parts hingewiesen, denn mittlerweile haben Skater alle Epochen im Blick. Jungs wie Dane und Kevin schauen all die alten Videos und lassen sich inspirieren, um die Sachen mit ihrem Skaten zu mischen. Am Ende erhältst du dadurch Early Grabs to Boardslides an Rails.

Witzig dass du das erwähnst, ich hab im Editorial der Ausgabe über die heutigen Kids und die Verbindung zwischen den Generationen geschrieben. Was denkst du darüber?

Von den 80er bis in die frühen 2000er gab es all diese Regeln. In den 90ern musste jeder kleine Rollen fahren, Pressureflips machen und es gab eine klare Uniform usw. Da ging es nicht um Skateboarding, sondern um Trends. Mittlerweile wurden die Regeln abgeschafft. Du kannst machen was du willst. So sollte Skateboarding sein. Komplett freie Entfaltungsmöglichkeiten. Keiner wird dich haten, egal wie du rumläufst oder welche Tricks du machst. Genau wie in den Anfangstagen von Streetskating mit Mark Gonzales und Jason Lee. Die haben mit allem rumexperimentiert. Irgendwie hat irgendwer dann beschlossen, dass es Regeln geben muss, eine Struktur. Da war dieser obsessive Wunsch Skateboarding auf ein neues Level zu bringen. Dann haben wir es so weit gepusht, bis es langweilig war. Es ging nur noch um die härtesten Tricks an den härtesten Rails. Es hatte die Seele verloren. Es gab nur noch Trickmaschinen. Dann kam die Seele zurück. Klar gibt es Trends, aber heute ist Skaten freier denn je. Du kannst Vert fahren und später gehst du noch ein Manny Pad skaten. Mir gefällt das und deshalb wollte ich auch mein Team so vielfältig zusammenstellen. Weil ich Skateboarding in jeglicher Form liebe.

Skateboarding ist postmodern – anything goes.

Genau wie Fußball. Ich mag den Totalen Fußball. Vorher gab es strikte Formationen aber plötzlich war es so: „Ihr denkt der Typ spielt in der Verteidigung? Jetzt hat er euch ein Tor reingeknallt. Boom!“ Sie bewegen sich überall. Das ist unterhaltsamer für die Zuschauer, weil du nicht mehr weißt, was passieren wird. Erst kommt ein Slappy und danach ein Flip to Slide. Alles wird komplett frei gemixt, auch was das Setup angeht oder die Klamotten. Es ist die perfekte Zeit, in der alles ineinanderfließt. Ich reiß auch gerne die Regeln zu all dem ABD Stuff und solchem Scheiß ein. „Der Song wurde aber schon benutzt!“ oder „Auf dem Foto ist der Kopf abgeschnitten!“ Na und? Das Foto ist dope! Es geht um die Energie und nicht eine Einteilung in gut und schlecht. Es geht darum etwas auszudrücken, ein Gefühl zu vermitteln.

Hast du deshalb den Titel gewählt? Weil es dir zur Zeit wie im Traum vorkommt?

Der ist aus dem Song von Brian Lotti’s Part aus dem Planet Earth Video Now ’N’ Later. Ein bahnbrechender Part, der fühlt sich heute noch modern an. Mir hat der Song damals gefallen. Der geht ab und wechselt dann in in so ein eher instrumentelles Alternative-Ding. Kevin wollte einen Punk Song, aber nur Punk wäre für mich hart zu schneiden. Deshalb hab ich den genommen. Ich hab für das Video jeden mit einbezogen und wollte, dass jeder mit seinem Song und seinem Part glücklich ist. Nicht wie früher, wo du zwei Jahre gefilmt hast, dann hast du die Footage abgegeben und irgendwann lag die VHS im Briefkasten. Und dann bin ich plötzlich zu einem beschissenen Song wie The Distance von Cake geskatet, den ich gehasst habe. Das nervt mich bis heute. Ich habe versucht, aus meinen Erfahrungen als Teamfahrer zu lernen, um so was als Chef zu vermeiden und nicht einfach zu sagen: „Fickt euch, ich mach was mir gefällt!“

"Aaron hatte zwei Jahre Footage von der wir wegen der Framerate nur drei Tricks nehmen konnten."

Ich hab Kevin vor einer Weile interviewt und er hat sich einen Kopf darum gemacht, welche Footage er dir schickt, weil er dachte, wenn du die erst mal auf dem Rechner hast, dann benutzt du sie auch. Egal ob sie ihm am Ende gefällt. War er sehr picky?

Kevin war schon ein riesiger Fan meiner Arbeit bevor er auf Polar kam und für ihn ist es eine große Ehre einen Part in einem meiner Filme zu haben. Deshalb hat er natürlich alles gegeben und wollte dass es perfekt wird. Kevin grübelt viel, er hat eine intensive Persönlichkeit. Er ist völlig in einer Sache drin, z.B. Slappys oder einen Kleidungsstil und drei Monate später hat er was Neues und das Andere erscheint ihm überholt. Er hat seinen Polar Part fertig gefilmt, dann hat er sich die Haare abrasiert und seine Art zu skaten geändert. Ein Full Length Video zeigt eine Entwicklung. Du siehst Oski im Video aufwachsen. Er war 30cm kleiner als wir angefangen haben zu filmen. Das erzählt eine Story und gibt dem Video mehr Tiefe.

Wie unterscheidet sich das Video von deinen anderen?

Es ist das Gleiche, ich versuche nur immer besser zu werden. Das Skatelevel ist höher, weil ich so viel Footage hatte, da konnte ich wählerisch sein. Ich will keine Namen nennen, aber es gab Leute, die hatten einen Haufen Footage, doch das Meiste davon war wenig interessant und ich nehm das dann nicht, nur um nett zu sein. Du trägst über die Jahre haufenweise Stuff zusammen und dann sitzt du da mit Skateboard Kram, Super 8 Kram und artsy Kram und die Reise beginnt. Du fragst dich, was will ich eigentlich sagen? Was ich schon immer machen wollte war, den Skatevideos, die mein Leben verändert haben, meinen Respekt zu zollen. Aber es ist eine Reise und du weißt nie wie es werden wird, bis es fertig ist. Am Ende ist jedes Video ein Ausdruck deiner Geisteshaltung gegenüber Skateboarding, zu dem Zeitpunkt an dem es entstand.

Nebenbei zum Video hast du auch noch selbst einen Part gefilmt und musstest dich um Polar kümmern. Wie hat sich das auf das Video ausgewirkt?

Ich hab alle gefilmt, die um Schweden rum wohnen, aber das Team ist international und ich kann nicht täglich mit ihnen filmen. Sie haben eigene Filmer. Das größte Problem war dadurch für mich, dass mit 10-15 verschiedenen Kameras und Formaten gefilmt wurde. Alles von NTSC VX zu HD mit verkackter Framerate.

Aaron [Herrington] hatte zwei Jahre Footage von der wir wegen der Framerate nur drei Tricks nehmen konnten. Es war quasi unmöglich die Sachen so zu konvertieren, dass sie gut aussahen. Als ich das bemerkt habe, musste Aaron los und seinen Part nochmal filmen. Aber er ist der produktivste Skater der Welt. Ein Part filmen ist keine große Sache für ihn. Er könnte das in einem Monat. Er sammelt den ganzen Tag lang krasses Zeug. Dane hat seinen Part mit VX gefilmt und die Footage musste man 22% größer machen und wenn die Qualität am Anfang schon schlecht ist, dann werden die Probleme dadurch größer. Die ganzen Filter die ich gebraucht habe, haben Adobe Premiere bis ans Maximum ausgereizt. Die Nachbearbeitung war krass und am Ende soll man beim Ansehen ja nicht von der Farbkorrektur abgelenkt werden. Alles soll aus einem Guss sein.

Aber wie du schon sagtest, das Verrückteste war, dass ich gefilmt habe, alles organisieren musste, der Teammanager war usw. Es kam oft vor, dass wir am Spot waren und ich dachte: „Wow, der ist sick! Ich fahr mich ein und dann versuche ich vielleicht einen Kickflip.“ Dann dreh ich mich um und Hjalte macht den zum Aufwärmen… Also setze ich mich hin und halte mit der Kamera auf die Jungs. Ich bin älter und die sind gerade on top of the game. Manchmal kann ich nicht mit meinem Team skaten, sie sind einfach zu gut.

Immerhin hast du auch einen guten Part hinbekommen.

Ich sollte eigentlich gar keinen Part kriegen. Ich hab mir selbst eingeredet, dass es nicht möglich ist, doch dann bin ich letztes Jahr ein paar Mal die Woche auf Einzelmissionen mit meinem Filmer Thor [Ström] losgezogen. Aber es war echt irre. Produktion, Kollektionen, Boardgrafiken, Kataloge – alles am Laufen halten – und gleichzeitig skaten, filmen, schneiden. Ich habe zehn Jobs.

"98% der Clips ist nur Skaten, das auf einer Timeline über einen Song gelegt wurde."

Warum ist es eigentlich wichtig in Zeiten von Instagram noch ein Full Length Video zu machen?

Klar kannst du drei Monate lang auf ein paar Trips gehen und einen zehn Minuten Edit schneiden. Wir haben zwei Promos so gemacht und ich hab überlegt das so weiter zu machen. Diese Edits machen Bock auf Skaten. Aber ein Full Length ist der Endgegner für eine Company und auch deren Fahrer. In einem Promo filmst du zwei Banger und ein paar Lines und fertig. Aber für einen Part musst du richtig Arbeit investieren, das verleiht mehr Tiefe. Auch als Brand ist es wichtig ein Gesamtbild zu zeichnen und da brauchst du 45 Minuten. Deine Fans kriegen dadurch das volle Programm. Wer auf Hjalte steht, kann sich jetzt fünf Minuten Hjalte geben. Aber nicht Jeder ist dieser Aufgabe gewachsen. Schau dir Vans an. Ich liebe Vans Schuhe aber ich mochte das Video nicht, das kann man nicht schauen. Es ist einfach nur so’n riesen Ding. Fünf Jahre mit einem Millionenbudget dran gearbeitet und am Ende kannst du’s dir nicht ansehen. Es ist nicht damit getan, die besten Skater, die besten Kameras und das größte Budget zu haben. Du musst in dem Video auch eine Geschichte zu Ende erzählen. Ich hab mir Andrew Allen angeschaut – sick – mir gefiel Dustin Dollin und dann hab ich zu AVE vorgespult.

So sollte ein Full Length nicht sein. Es sollte sein wie Video Days oder Hokus Pokus. Du legst es ein und schaust dir das komplette Ding an. Nicht bloß Part, Part, Part.

Glaubst du, Leute werden irgendwann genug von Online Clips haben und es wird eine Renaissance der Full Length Videos geben? Haben wir bald einen Informations Overload?

Ich finde, wir haben diesen Punkt schon lange überschritten. Brands denken, sie müssen jeden Monat einen neuen Clip rausbringen. Neue Produkte, neuer Schuh Release, neuer Part, neuer dies, neuer das. Jeder Tag ist ein einziger großer Feed. Man sollte innehalten und sich fragen: Ist das wirklich gesund? Ist es sinnvoll die Welt mit Skaten zu überfluten? 98% von dem ist nur Skaten, das auf einer Timeline über einen Song gelegt wurde. Keiner fragt sich, ob Skateboarding nicht vielleicht mehr als das ist. Mehr als ein paar Banger zu einem Song. Sollte man nicht versuchen, da etwas Künstlerisches draus zu machen? Etwas mit mehr Tiefe, das Athmosphäre erzeugt, einen Spirit in sich trägt, irgendwas. Ich liebe die alten Alien Videos wegen all der Super 8 Filme von Neil Blender, in denen er rumkrakelt, mit seinen Roboterspielzeugen oder wo er am Strand zu sehen ist. Klar sieht jeder gerne krasses Skaten, aber ich will auch wissen, wie der Typ drauf ist. Zeig etwas von der Kultur. Mehr als nur einen Typen der irgendwo runterspringt. Versteh mich nicht falsch, solche Parts können super sein, wenn sie gut gemacht sind, aber dazu muss da noch mehr sein. Meine Regel ist – das ist ein Geheimnis – dein Gehirn kann sich nur 30 Sekunden auf Skateboarding konzentrieren. Danach braucht es eine Pause. Ein paar artsy Aufnahmen oder sowas, damit das aufgelockert wird.

Diese Unterbrechungen sind wichtig, damit die Leute das aufnehmen und durchatmen können, danach kannst du wieder angreifen. Mir passiert es oft dass ich mir Videos ansehe, die mir eigentlich gefallen, aber dann wird es mir zu viel. Dein Gehirn kann nicht mehr Informationen aufnehmen, aber das Video drückt dir immer mehr rein: „Nimm das, nimm das! Das ist so krass!“ Das erzeugt keinen Effekt. Da hab ich mir von drei Minuten Bangern mein Hirn zertrümmern lassen und kann mich an nichts davon erinnern. Es war einfach nur eine imense Menge an krassestem Skaten und danach bist du froh, dass es vorbei ist – doch dann beginnt der zweite Song mit Slomos und einem Super-Super-Banger Part. Nochmal, was ist der Sinn eines Skatevideos? Du sollst Bock auf Skaten bekommen und nicht so abgeturnt sein, dass du nie mehr auf ein Skateboard steigen willst. So geht es mir nach 98% der Videos. Ich fühl mich so scheiße, so nutzlos, ich will eine Woche nichts von Skaten wissen. Ich kann keinen einzigen Trick aus dem Video und für mich ergibt das keinen Sinn. Das Wichtigste an Skatevideos sind ganz normale Menschen auf Skateboards, die stylishe Sachen machen, die nach Spaß aussehen. Einen Slappy 50-50 um die Ecke. Gutes Feeling, guter Sound, ordentlich Power dahinter. Das gibt dir das Gefühl, du könntest manche der Tricks auch machen. Du willst eine Verbundenheit spüren und keinen Hollywood Superhelden Stunt Film sehen. Das Skaten erreicht ein unglaubliches Niveau, aber ich kann da keine Verbindung aufbauen und das ist das Wichtigste. Und es geht um Dynamik. Skateboarding hat eine ganz eigene Dynamik.

Da kommt erst etwas Gechilltes und dann – Boom – kommt ein krasser Banger. Dann gehst du wieder zurück zu etwas Entspannterem und es folgt ein weiterer Banger. Dadurch wirken diese Tricks viel mehr. 200 Banger hintereinander erzielen dagegen keinen Effekt.

Du hast schon Hans Richter und alte Skatevideos erwähnt. Was hat dir sonst noch als Inspiration gedient?

Jedes Video ist eine Reise, es gibt keinen genauen Plan, du schaust einfach was passiert. Du gehst einfach Skaten mit den Jungs. Das mache ich am liebsten, als eine Art Coach oder Regisseur. Sagen wir Hjalte hat eine Idee für eine Line und sagt mir was er vorhat und ich sage: Das ist cool, aber es hat nicht den richtigen Flow. Backside Kickflip und danach Halfcab Kickflip erzeugen flow, aber Backside Kickflip und Frontside Halfcab Kickflip nicht. Du musst dir ständig über die Bewegung bewusst sein. Wie du dich drehst und wie die Kamera sich dazu bewegt. Vielleicht ist es eine schwierigere Line, aber sie sieht besser aus. Wenn ich am Filmen bin, sind da immer diese kleinen Sachen, wo ich versuche die Jungs zu dirigieren oder zu leiten.

War es deshalb wichtig, dass es die Polar WhatsApp Gruppe gibt, weil du nicht immer dabei sein konntest?

Auf jeden Fall. Jeder schickt Footage in die Gruppe, so entsteht Teamgeist. Einer schickt was und alle sind so: „Wie krass ist das denn!“ Das motiviert sie und sie wollen auch was Krasses filmen. Und ich bin im Zentrum von all dem. Manchmal sage ich dann, der Trick ist echt dope, aber mir gefällt nicht, wie er gefilmt ist und manchmal filmen sie ihn dann neu. Ich versuche einfach involviert zu sein und meinen Input zu geben. Die meisten Filmer wissen was ich will und meistens passt es auch, aber manchmal schicken sie mir ein Preview vom Spot und fragen, wie sie filmen sollen. Skaten und Filmen sind gleich wichtig. Es passiert so häufig, dass ich Videos ansehe und da ist eine krasse Line aber mir gefällt nicht wie sie gefilmt ist. Wie oft siehst du Lines von hinten gefilmt? Das ist die schlechteste Art Skaten zu filmen. Ich versuche immer das Kommende vor dem Zuschauer zu verbergen. Filmst du von hinten, sieht man wohin er fährt, du schaust auf seine Fußstellung und ahnst was er machen wird. Ich starte Lines immer von Vorne, dann hat der Zuschauer keine Ahnung. Umso mehr du verheimlichen kannst, um so mehr Spannung wird aufgebaut, um so mehr Energie erzeugt. Strobeck ist darin echt gut, mit all den Closeups und den Zooms aufs Gesicht. Du siehst Sage [Elsesser] schwitzen und den Ausdruck auf seinem Gesicht, dann wird rausgezoomt und er grindet full speed ein Rail. So viele Videos sind von schlechten Filmern gefilmt, die nicht skaten können.

Sie sind einfach irgendwie Filmer für große Brands geworden und haben jetzt Probleme den Skatern hinterherzukommen. Tut mir leid, aber das ist wirklich wichtig für ein Video. Manchmal muss man von hinten filmen, weil es nicht anders geht, aber ich versuch immer mit der Kammera um den Skater rumzufahren, lass ihn vorbei, hol wieder auf und geh erneut nach Vorne. Bei Magenta filmen sie viel so, einfach sich um den Skater bewegen. Das macht die Sache aufregender.

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