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2 Second Manual III – Ein Konzert mit Skateboards

Lea Letzel studierte Medienkunst an der KHM und beschäftigt sich vor allem mit Klangarbeiten und Konzertformaten. Durch einen Zufall ist ihr aufgefallen, dass sich auch Skateboards als Musikinstrument eignen. In der Kölner Halle59 hat sie deshalb kürzlich ein Konzert organisiert, bei dem sechs Skater zusammen mit einem Schlagzeuger aufgetreten sind.

Lea, wie bist du auf die Idee für das Konzert gekommen?

Ich hatte eine Künstlerresidenz beim Verein für Bildende Künste in Reykjavík. Das Atelier dort lag in der selben Straße wie die alte Skatehalle. Eines Tages bin ich vorbeigegangen und die Tür stand auf und ich hab die Geräusche gehört und mich gefragt was das ist? Das klang total abgefahren, dieses Rummsen und Klacken. Dann bin ich reingegangen und fand das richtig beeindruckend. Normalerweise haben die immer Musik gehört, aber an diesem Tag war die Anlage kaputt. Und weil da immer die selben Leuten den selben Trick versucht haben, hat sich da ein rhythmisches Muster ergeben, das sich zwar wiederholte, aber nie ganz gleich war. Das kenn ich sonst eher aus der konzeptionellen Musik und hab ich mich zu der Zeit eh mit Zufälligkeit in der Musik beschäftigt. Da hab ich mich gefragt, ob sich diese Geräusche musikalisch ordnen lassen, wenn man jemanden hinzuholt, der ein Rhythumusinstrument spielt. Dann hab ich einen befreundeten Schlagzeuger gefragt der aus dem Free Jazz kommt und wir haben das ausprobiert und gemerkt, dass das spannend ist. Wie eine Impro zwischen Skateboarder und Schlagzeuger. Zurück in Deutschland hab ich dann Dirk Rothbrust davon erzählt und der fand das spannend und dann wollte ich das nochmal machen und hab versucht Geld aufzutreiben und die SK Stiftung Kultur hat das schließlich gefördert.

Was war die Idee hinter der Struktur des Konzerts oder war das alles improvisiert?

Das ist schon eine freie Improvisation, die aber eine gewisse Struktur hat, damit man sich nicht komplett verliert. Aber uns war wichtig, dass man den Skatern nicht vorschreibt was sie tun müssen. Sonst müsste man das auch choreographieren und sechs Wochen lang proben. Das Konzert fand lediglich in drei Teilen statt, die unterschiedliche Schwerpunkte besitzen und unterschiedlichen musikalischen Parametern gefolgt sind. Der erste Teil hat sich an den Rhythmussequenzen orientiert, die die Skater beim Fahren machen. Teilweise wurde dann eine rhythmische Figur von Dirk zu Ende geführt. Er hat die Skategeräusche wie Musik gehört und sie aufgegriffen und wiederholt und dadurch ist dann ein wiederholbarer rhythmischer Komplex entstanden. Der zweite Teil hat hauptsächlich im Bowl stattgefunden. Da gab es dann zwei Systeme, die nebeneinander entstehen und beide einer inneren Logik folgen. Im Bowl gibt es bestimmte Bewegungsmuster und Dirk hat ebenfalls ein geschlossenes Bewegungsmuster gespielt. Zu einem abgesprochenen Moment ist dann einer wieder aus dem Bowl raus und die Anderen sind ihm dann gefolgt, wobei sich die Klangfarbe des Sounds geändert hat. Der dritte Teil drehte sich um Powerslides, diese Quietschsounds.

Warst du mit der Umsetzung zufrieden?

Ja, total. Ich fand’s sogar noch toller als ich es mir vorgestellt hatte. Mich hat das vor allem auch gefreut, dass so viele unterschiedliche Menschen gekommen sind, die sich normalerweise keine neue klassische Musik anhören würden, weil das ja schon so eine Nischenveranstaltung ist und daß da zwei spezialisierte Welten aufeinander treffen konnten, Skaten und Musik machen daß das Zusammen was Neues gibt.

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